Anna Kasten / „Bootshaus“ – Eine Retrospektive digitaler Bildwelten
16.11.2026 — 20.12.2026
Anna Kasten – „Bootshaus“
Faltpläne / Computerkunst
Zeitraum: 16.11. bis 20.12.2026
Eröffnung: 16.11.2026 um 19:00 Uhr
Einführung: Dr. Johannes Schmidt / Kunsthistoriker
„May you allways have a hand-width of water under your keel“ [Redensart]
Die Ausstellung „Bootshaus“ präsentiert eine einzigartige Sammlung von Computerbildern, geschaffen über einen Zeitraum von zehn Jahren, von 2010 bis 2020. Die Werkschau gewährt Einblick in die kreative Entwicklung einer Künstlerin, welche die digitale Bildgestaltung als Medium künstlerischen Ausdrucks konsequent und intensiv genutzt hat. Zentral ist dabei nicht nur die bildnerische Qualität, sondern auch das bewusste Spiel mit dem Format: Jedes Werk besteht aus mehreren zusammengefügten DIN A4-Seiten, die als Faltbilder ein überraschendes Wechselspiel zwischen Fragmentierung und Ganzheit erzeugen.
Das „Bootshaus“ fungiert in dieser kleinen Retrospektive als metaphorischer Ort – gleichsam Refugium und Ausgangspunkt für eine visuelle Reise. Es symbolisiert Stabilität und Fluss zugleich, steht für Rückzug, Betrachtung und kreative Entfaltung. In den digitalen Kompositionen reflektiert sich diese doppelte Natur des Ortes: Die Bildwelten oszillieren zwischen statischer Ruhe und dynamischer Bewegung, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.
Die Wahl des Mediums Computerkunst ist nicht nur technischer Natur, sondern birgt tiefgründige Implikationen für das Verständnis von Kunst im digitalen Zeitalter. Die Künstlerin verarbeitet pixelbasierte Strukturen und algorithmische Prozesse so, dass sich eine organische Ästhetik entfaltet. Die synthetischen Bilder erscheinen lebendig, als ob sie einen Zwischenraum füllen – zwischen dem Realen und dem Imaginären, dem Technischen und dem Poetischen.
Der Einsatz der DIN A4-Einzelblätter bietet dem Betrachter ein haptisches und zugleich konzeptionelles Erlebnis. Das Zusammenkleben der Seiten zu einem großformatigen Bild fordert zur aktiven Auseinandersetzung auf: Es entsteht ein Spannungsfeld von Detailtreue und Gesamtkomposition, das Sehen wird zu einem Akt des Entdeckens. Jedes Blatt fungiert als Mosaikstein eines komplexen Bildgefüges, das für sich steht und gleichzeitig Teil eines größeren Ganzen ist.
Inhaltlich behandeln die Werke vielfältige Themen, die sich in der langen Schaffensperiode entwickelt haben. Sie spiegeln persönliche wie gesellschaftliche Fragestellungen wider, die durch die digitale Perspektive eine neue Dimension erfahren. Es geht um Raum und Zeit, Identität und Transformation, Natur und Technik – Motive, die in der Bildsprache abstrahiert und neu interpretiert werden.
Die Ausstellung „Bootshaus“ lädt dazu ein, die Schnittstelle zwischen traditioneller Kunst und digitaler Innovation zu erkunden. Sie zeigt, wie durch mediale Verschiebungen neue Formen künstlerischen Ausdrucks entstehen können, die sowohl technisch faszinieren als auch tiefgründige ästhetische Erfahrungen ermöglichen. Die Retrospektive ist daher nicht nur eine Würdigung eines Schaffensabschnitts, sondern auch eine Reflexion über die Rolle der Kunst im Kontext der Digitalisierung.
Mit „Bootshaus“ wird eine Brücke geschlagen – zwischen Analogem und Digitalem, Zwischenzeitlichem und Zeitlosem, Individuellem und Universellem. Die Ausstellung eröffnet einen Raum des Nachdenkens und Wahrnehmens, der über die reine Betrachtung hinausgeht und den Dialog über Kunst, Technik und Menschsein anregt.
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