TANJA POHL. BLACKOUT

11.09.2026 — 14.11.2026

TANJA POHL. BLACKOUT
Tanja Pohl, Blackout, 2025, Öl auf Leinwand

Malen heißt für Tanja Pohl (*1985) Auseinandersetzung, heißt Ringen mit der Welt, heißt, sich nicht mit dem Schein der Dinge begnügen, sondern das notdürftig zivilisatorisch Verdeckte offenlegen. So in den beeindruckenden Industrielandschaften ihrer Anfangsjahre, verwundete, geschändete Landschaften, in ihren »Mensch-Maschinen«, hybriden Wesen, Cyborgs einer dystopischen Zukunft oder gar Gegenwart, auch in ihren Köpfen, Häuptern und Tierschädeln, zuletzt in ihren aktuellen Körperbildern, in denen sie Bild und Rolle der Frau in der Gesellschaft befragt.

Der Frauenleib, jahrhundertelang Projektionsfläche patriarchaler Angst, wird zum Schlachtfeld von Misogynie und Kontrolle, gefesselt, verschnürt, geknebelt, gezüchtigt. Und auch hier wird – ein Credo der Künstlerin – die Deformation zum Bild der Beschädigung, zu einer Ikonografie der Traumata und Gewalterfahrung. Das namengebende Motiv der neuen Werkgruppe »Verschnürt«, die Fesselung, die Einschnürung und Verstrickung zeigt zudem außerhalb des feministischen Kontextes die Grenzen unserer Freiheit, unserer Autonomie und Selbstbestimmung auf.

Tanja Pohl macht es weder sich selbst noch ihren Bildern leicht. Suchend dringt sie in den Bildkörper ein, ihn vermeintlich vertiefend, aufschürfend und verletzend. Manchmal bricht sie das Bild optisch auf, bis seine Oberflächen splittern, und gibt wegdriftenden Fragmenten und Scherben neuen Halt. Dann wieder baut sie und schichtet, setzt zu, trägt auf, drückt fette pastose Farbklumpen in das Bildgewebe, collagiert und appliziert Fremdkörper, Materialien, Stoffe, Fetzen. Einige Bilder werden so zu plastisch erfahrbaren Reliefs, die sich verletzlicher und zugänglicher zeigen.

Malen ist bei Tanja Pohl ein kräftezehrender Prozess. Konstruktion und Dekonstruktion, Bauen und Zerstören, Collage und Decollage charakterisieren diese ihrem Wesen nach dialektische Arbeitsweise. Die Spuren des Schaffensprozesses lässt die Künstlerin zuweilen offen stehen, ihre Wege und Vorgehensweisen offenbarend. So entsteht eine Ästhetik der Dekonstruktion, eine Mimesis des Schmerzes, die sowohl im sichtbar bleibenden Malakt als auch im gemalten Objekt selbst jeweils eine Antwort auf die Bildgegenstände und deren Erfordernisse geben, so dass ein nahezu physisch spürbares Betroffensein erlebbar wird.

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