Nanna Heitmann „Weg vom Fenster“ + Heinrich Völkel "Nachtstücken"

05.06.2024 — 06.07.2024

Nanna Heitmann „Weg vom Fenster“ + Heinrich Völkel 
Foto: Nanna Heitmann

Ausstellung mit Werken zweier Gewinner des Vonovia Awards für Fotografie zum Thema Zuhause. Die Fotografin Nanna Heitmann beschäftigt sich mit ihrer Serie Weg vom Fenster mit der Schließung der letzten Kohlezeche in Deutschland und Heinrich Völkel zeichnet mit den Nachstücken die Lebenswelten in einem Berliner Industrie- und Arbeiterviertel nach.

Kaum einer anderen Industrie haftet ein solcher Mythos an: Der Kohlebergbau im Ruhrgebiet ermöglichte in Deutschland die industrielle Revolution und trug nach dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich zum deutschen Wirtschaftswunder und der Entwicklung heutiger Schlüsselindustrien bei. Er war aber nicht nur Ursprung deutscher Wirtschaftskraft, sondern prägte auch eine ganze Region und verlieh den Menschen im Ruhrpott eine eigene Kultur und Identität. Während die Kumpel mit ihrer Arbeit unter Tage eng verbunden sind, schaffen sie sich über Tage ihr kleines Glück, mit Swimming-Pools in Arbeitersiedlungen, gepflegten Schrebergärten oder einer kleinen Taubenzucht unterm Dach. Als im Jahr 2018 mit Prosper Haniel die letzte Zeche schließt, verlieren 2.500 Bergleute ihre Arbeit. Die Fotografin Nanna Heitmann fotografierte unter und über Tage die letzten Arbeitstage der Bergleute. Während sich die Jüngeren einen neuen Job suchen, gehen die Alten mit kaputten Knien, Bandscheibenvorfällen oder Staublunge in den vozeitigen Ruhestand. Trotzdem halten sie ihre Traditionen und Bräuche sowie die ganz besondere Identität dieser Region immer noch hoch. Denn wenn sie erst einmal weg vom Fenster sind, dann wird etwas von dieser Kameradschaft und Herzlichkeit fehlen.

Nanna Heitmann ist in Ulm geboren, lebt und arbeitet zur Zeit in Russland und folgt fotografisch dem Jenissei in Sibirien, um die dort vorherrschenden Lebenswelten von Natur und Mensch zu verdeutlichen. Sie ist seit 2023 Mitglied bei Magnum Photos.
Weitere Informationen unter: Nanna Heitmann – Photography

Der Berliner Stadtbezirk Wedding hat seinen Ruf als Arbeiter- und Migrantenviertel bis heute mit Erfolg verteidigt. Leni Riefenstahl, Erich Mielke und Hardy Krüger wurden hier geboren. Auch für den Berliner Fotografen Heinrich Völker war dieser Kietz lange sein Zuhause. Nach Jahren der Diaspora kehrte er wieder zurück, um seinen Wedding neu zu entdecken. Wichtigstes Hilfsmittel dabei ist eine analoge Großformatkamera, die technisch exakt und präzise selbst verborgene Details erkennt. Während man tagsüber auf hektische Menschen, Autos, Busse und Lieferwagen trifft, strahlen nachts diese Plätze Momente der Ruhe aus. Die Langzeitbelichtungen in strengem Schwarz-Weiß legen dann das frei, was den Kietz in seiner baulichen Wirklichkeit ausmacht: eine Architektur des Wohnens und Arbeitens, Jugendstil neben Nachkriegsmoderne, Ensemble neben Solitär, viel Geschichte und auch ein wenig Zukunft. Und sie zeigen die anschließende Veränderung, so wie man aus den Wunden, die der Krieg in eine Stadt geschlagen hat, die Veränderungen für das Zusammenleben ablesen kann.

Heinrich Völkel, 1974 in Moskau geboren und in Leipzig aufgewachsen, studierte kurzzeitig Architektur an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig, bevor er sich seiner fotografischen Ausbildung am Lette-Verein in Berlin zuwandte. Seit 2005 ist er Mitglied bei Ostkreuz–Agentur der Fotografen. Neben seiner Arbeit für die Zeit, Stern und den Spiegel gilt sein fotografisches Interesse besonders dem Phänomen Stadt und den Veränderungen, die diese durchläuft. Heinrich Völkel | Chromfeld

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