Ines De Nil. We Exist
27.03.2026 — 02.05.2026
Ines De Nil ist eine Fotografin und Filmemacherin, die in den späten 1980er- und 1990er-Jahren die queere autonome Szene Berlins porträtierte. Ein Großteil ihrer Fotografien wurde bisher nicht öffentlich gezeigt. Ihre Arbeiten bewegen sich an der Schnittstelle zwischen dokumentarischem Zeugnis und künstlerischer Fotografie. Sie eröffnen Einblicke in Räume der Intimität, der Subversion und des Selbstausdrucks, die für die Entwicklung einer sichtbaren queeren Kultur von zentraler Bedeutung waren und sind.
Viele dieser Räume und Personen sind heute kaum dokumentiert, sei es aus Gründen des Selbstschutzes oder weil das damalige Geschehen als zu abseitig oder nischig galt. Die Relevanz von De Nils Arbeit zeigt sich nicht zuletzt darin, dass ihre Bilder unmittelbare und unverstellte Darstellungen queeren Lebens bieten. Keine der porträtierten Personen tritt verkleidet oder verfremdet auf; vielmehr zeigen sie sich in ihrer eigenen Authentizität und Schönheit.
Dies war ein zentrales Anliegen der Künstlerin:
„Ich wollte die Menschen stets so zeigen, wie sie sich zeigen wollten.“
Die 78-jährige Ines De Nil lebt seit 2024 in Dresden.
Die Künstlerin
Ines De Nil (*1947) absolvierte zunächst eine Berufslehre als graphische Zeichnerin in Essen und studierte dort Ende der 60er Jahre an der Folkwangschule Fotografie und Grafik. Nach ihrer Ausbildung führte sie ihre Beziehung mit einem Schauspieler nach West-Berlin, wo sie Volker Pleines kennenlernte und mit diesem zusammenzog. Gemeinsam bahnten sie sich einen Weg hin, in die damals entstehende queer-aktive Szene: Volker wurde zu Elvira Westwärts und Ines begann mit ihrer freien fotografischen Arbeit. Beide landeten Anfang der 90er Jahre im SO36, wo sie über selbst geschaffene Stellen eigene Veranstaltungsreihen wie “Hungrige Herzen” organisierten und dokumentierten. Das SO36 wurde immer queerer. In diesem Zeitraum von 1989 bis 1997 entstanden mehrere tausend Fotos.
Ende der 90er verliefen viele der eingeschlagenen Wege und Ines wandte sich mehr der Malerei und dem Filmemachen zu. Bis 2024 war Ines freiberuflich in Berlin tätig, musste allerdings krankheitsbedingt und aufgrund der desolaten Wohnraumsituation Berlin verlassen und lebt seitdem in Dresden.
Die Aufarbeitung | Artistic Research
Der fotografische Vorlass befindet sich noch in Berlin, wo der Filmemacher und Kunstwissenschaftler Vinzenz Damm in Ines de Nils Einverständnis an einem Verzeichnis arbeitet, um den Bestand zu erschließen. Vinzenz Damm (*1996) studierte Kunstwissenschaften im Master an der Burg Giebichenstein in Halle, davor Szenische Künste in Hildesheim und war 2022 am Projekt Tuntenhaus Forellenhof 1990 im SMU Berlin als kuratorische Assistenz beteiligt. Er ist seit 2020 künstlerisch freischaffend in den Bereichen Experimentalfilm und Performing Arts tätig; arbeitet und forscht an der Schnittstelle von Film, Text, Archiv zur queeren Subkultur der 80er u. 90er Jahre in Berlin und zum Tier-Mensch-Verhältnis. Er entwickelte Essayfilme mit Bezug zu Themen geschlechtlicher Identität, sexueller Orientierung und Praxen der Selbstermächtigung.
Eröffnung: Fr, 27.3.26 19 Uhr (währenddessen in der Galerie Gebr. Lehmann Tür an Tür: Eberhard Havekost, Beginn: 18 Uhr)
Ausstellungsdauer: 28.3. bis 2.5.26 | Do 16–19 Fr 16–19 Sa 12–16
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Öffnungszeiten
Öffnungszeiten: Do/Fr 16-19 und Sa 12-16 Uhr