4#4#Białystok

02.06.2026 — 16.08.2026

4#4#Białystok

/ 4 Tage / 4 Fotografen / 4 Themen /

Die Ausstellung 4#4#Białystok in der Galerie nEUROPA versammelt fotografische Arbeiten von drei Fotografen aus Deutschland (Jürgen Matschie / Jan Oelker / Matthias Schumann) und dem in Białystok lebenden polnischen Fotografen Piotr Niedźwiedź.

Ausgangspunkt und gemeinsamer Referenzraum ist die ostpolnische Stadt Białystok – ein Ort, der wie kaum ein anderer für die historischen Brüche, kulturellen Überlagerungen und aktuellen gesellschaftlichen Spannungen Europas steht. Die drei sächsischen Fotografen besuchten die Stadt im Herbst 2024 im Rahmen einer Teilnahme eines Fotofestivals.

Białystok liegt nahe der heutigen polnisch-belarussischen Grenze und war über Jahrhunderte hinweg ein politischer, religiöser und kultureller Kreuzungspunkt. Die Stadt gehörte wechselnden Herrschaftsgebieten an – dem polnisch-litauischen Staat, dem Russischen Zarenreich, auch stand sie kurzzeitig unter deutscher Besatzung – und war geprägt von einem engen Zusammenleben unterschiedlicher ethnischer und religiöser Gruppen. Vor dem Zweiten Weltkrieg stellte die jüdische Bevölkerung einen erheblichen Teil der Stadtgesellschaft; Białystok galt als bedeutendes Zentrum jüdischer Kultur, Sprache und Industrie. Die Shoah bedeutete einen nahezu vollständigen Bruch dieser Tradition, deren Spuren heute nur noch fragmentarisch im Stadtbild vorhanden sind.

Die ausgestellten Fotografien nähern sich Białystok aus den subjektiven Perspektiven der Fotografen und greifen verschiedene Aspekte des städtischen Lebens auf. Sichtbar werden Relikte jüdischer Geschichte ebenso wie gegenwärtige Ausdrucksformen urbaner Kultur, etwa in der lokalen Graffiti- und Street-Art-Szene. Typische Stadträume – Wohnsiedlungen, Plätze, Randzonen – werden als Orte des Alltags, aber auch als Projektionsflächen sozialer und politischer Aushandlungsprozesse gezeigt.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf aktuellen gesellschaftlichen Konfliktfeldern. Zufällig wurden die deutschen Fotografen Zeuge einer großen LGBT-Demonstration, die auf die besondere Rolle Białystoks im gegenwärtigen polnischen Diskurs verweist, in dem Fragen von Identität, Minderheitenrechten und nationaler Selbstdefinition stark umkämpft sind. Die Stadt gilt immer wieder als Symbol für konservative und nationalistische Tendenzen, ist zugleich aber auch Schauplatz von Gegenbewegungen, zivilem Engagement und kulturellem Widerstand.

Im Zusammenspiel der vier fotografischen Positionen entsteht kein geschlossenes Stadtporträt, sondern ein vielschichtiges Mosaik. Die Außenblicke der deutschen Fotografen treffen auf eine polnische Perspektive, die stärker von Nähe, Alltagserfahrung und historischer Verwurzelung geprägt ist. Gerade in dieser Gegenüberstellung eröffnen sich produktive Spannungsräume zwischen Beobachtung und Beteiligung, Distanz und Identifikation.

4#4#Białystok versteht sich damit nicht nur als Ausstellung über eine konkrete Stadt, sondern als Reflexion über urbane Räume in Grenzlagen, über Erinnerung und Sichtbarkeit sowie über die politischen und kulturellen Kräfte, die europäische Städte heute prägen.

Beteiligte Fotografen

Jürgen Matschie (DE)
Jan Oelker (DE)
Matthias Schumann (DE)
Piotr Niedźwiedź (PL)

Kuration

Matthias Schumann

Titelbild

Piotr Niedźwiedź


Das Projekt wird gefördert durch das Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes im Rahmen des Förderprogramms »Wir für Sachsen«.

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MO-FR 10:00-16:00, sowie nach Vereinbarung