VIS-À-VIS: Dozenten der 16. Internationalen Dresdner Sommerakademie für Bildende Kunst des riesa efau zu Gast: Runhild Wirth, Berlin (Malerei) und Steffen Junghans, Leipzig (Fotografie)

Seit nunmehr fünf Jahren gastiert die Internationale Dresdner Sommer-
akademie für Bildende Kunst des „riesa efau. Kultur Forum Dresden“ in den Räumlichkeiten des Ausstellungs- und Projektraumes bautzner69, der im Herbst 2013 sein zehnjähriges Bestehen feiert. Unter dem wohlbekannten Titel VIS-À-VIS präsentieren diesmal die Dozenten Steffen Junghans (Leipzig) und Runhild Wirth (Berlin) eigene künstlerische Arbeiten und bieten punktuell Einblicke in ihr bildnerisches Denken. Das Novum an der Gegen-überstellung ist die Befragung zweier an sich grundverschiedener Medien: Fotografie und Malerei. Doch so sehr sich jene Bereiche der bildenden Kunst formal-ästhetisch auch unterscheiden mögen, so treffen sie sich doch an einem Punkt, der nicht nur örtlich gemeint ist.

Während Steffen Junghans großformatige und sorgfältig komponierte, analoge Farbfotografien ausstellt, sind es bei Runhild Wirth Ölmalereien, die sie spontan und in kürzester Zeit mit einem Pinsel auf kleine Leinwände aufträgt. Begreift der Eine die Fotografie als Lichtbild, das ähnlich einer Malerei verstanden und in diesem Kontext auch verhandelt werden sollte, wohnt dem künstlerischen Werk der Anderen das Serielle und das Flüchtige einer digitalen, fotografischen Momentaufnahme inne. Steht in der Foto­grafie von Junghans das Prinzip der Verdichtung von gesuchten und vor der Kamera inszenierten Phänomenen im Vordergrund, ist es bei Wirth vielmehr die konzeptuelle Aneinanderreihung von Einzelbildern, die sich erst in ihrer Summe zu einer greifbaren Realität verbinden lassen. Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortführen und es scheint gerade so, als ob ein jeder Künstler die Palette medialer Eigenarten seines Gegenübers für sich befragen würde, um zu einer höheren Wahrheit zu gelangen, zum einem Archiv der Mehrstimmigkeit.
Katja Dannowski