(Un)Geduldiges Papier – Kunstaktivistische Poster, Sticker, Stencils, Cut outs …

Wenn du durch Straßen gehst, in Deiner Stadt oder in einer anderen, bemerkst Du die kleinen oder großen politischen Botschaften auf Papier? Sie befinden sich an Elektrokästen, Wänden Straßenschildern, Zäunen oder an Haltestellen. In manchen Stadtteilen muss man sie suchen und in anderen springen sie einen optisch regelrecht an. (Un)Geduldiges Papier – Kunstaktivistische Poster, Sticker, Stencils, Cut Outs … beschäftigt sich schlaglichtartig mit einem urbanen Phänomen, dass als künstlerischer Widerstand, als kreativer Protest verstanden werden kann.

Blickt man in die aktuelle Berichterstattung, so dominieren seit 2014 im tagtäglichen Nachrichtenstrom Themen rund um Flucht, ihre Ursachen, die Aufnahme von geflüchteten Menschen in Gastländern, hier natürlich vor allem in Deutschland selbst. Wenn die Diskussion zu Obergrenzen der Aufnahme, zu Befürchtungen, Deutschland könne ‚islamisiert‘ werden, zur Ablehnung von Fremden hochkocht, so geht es um Werte, um zivilisatorische Werte und implizit um die Frage, wie die Gesellschaft beschaffen sein soll, in der wir leben möchten. Ob und wie wir selbst deren Entwicklungen beeinflussen können.

Im gesamtdeutschen Diskurs ist es immer wieder Sachsen, das insbesondere mit negativen Schlagzeilen auftaucht. Die vielen ehrenamtlichen Helfern, die es gleichwohl in Sachsen gibt, werden medial von den Rufen montäglicher Spaziergänger und den abscheulichen Ereignissen in Freital, Heidenau, Clausnitz oder Bautzen übertönt. Verkürzt gesagt, es geht um den Kontrast zwischen einer von Vielen gewollten Willkommenskultur für Flüchtlinge versus einer Gegenwehr gegen hilfebedürftige Menschen, um eine rationale Betrachtung der Geschehnisse versus einer Vorverurteilung von Menschen die aus ihren Heimatländern nach Europa und nach Deutschland fliehen.

Die Ausstellung zeigt einige historische Beispiele für Papierarbeiten, die künstlerischen Protest in den offenen Raum brachten. Umfangreicher thematisiert werden aktuelle politische Auseinandersetzungen über zivilisatorische Grundwerte, die unser Land momentan umtreiben. Auch mit Blick auf den Herbst 2016 werden dies in jedem Falle das Offenbarwerden des starken Rückhalts von Rechtspopulismus in der deutschen Bevölkerung, dessen mögliches Umschlagen in Rechtsextremismus und die Flüchtlingsbewegungen mitsamt ihren Folgen sein.

In die Ausstellung ist unsere neue mobile Siebdruckwerkstatt integriert. So kann man selber Plakate zu seinen wichtigen Themen entwerfen und drucken. Bei Kursen kann man sich das Rüstzeug holen und man kann jeden Sonnabend von 15 bis 18 Uhr auch unter Anleitung in der Motorenhalle drucken. Es wird ein Jurypreis und ein Publikumspreis vergeben, die prämierten Plakate werden anschließend im Stadtraum präsent sein.

ÖFFNUNGSZEITEN Mi 13-20 Uhr, Do+Fr 15-19 Uhr, Sa+So 14-18 Uhr, geschlossen am 9.12.16

KÜNSTLER_INNEN Brandalism (UK) | Chto Delat (RU) | Djordje Balmazovic (SRB) | Erinnerungsguerilla (D) | Stickermuseum (D) | Joseph Beuys (D) | Claudiu Cobilanschi (ROU) | Lex Drewinski (PL) | Rainer Görß & Ania Rudolph (D) | Igor Grubic (HRV) | Jacek Ponton (PL) | Christoph Schlingensief (D) | András Király HU | | Dugudus (FR) | Matthias Marx (D) | Reinigungsgesellschaft (D) | Csaba Nemes (HUN) | Mr Sasa | Dies Irae | Klaus Staeck (D) | Tobias Stengel (D) | Andreas Ullrich (D) | und weitere

KURATOR_INNEN Denise Ackermann, Frank Eckhardt

Leihgeber Akademie der Künste Berlin-Brandenburg, Berlin; SchlingensiefArchiv Filmgalerie 451, Stickermuseum