Slawomir Elsner. Coverboy

Eröffnung: 7.3.2020, 14-19 Uhr

Wir freuen uns mit der 8. Einzelausstellung des Künstlers Slawomir Elsner neue Zeichnungen in der Galerie Gebr. Lehmann präsentieren zu können.

Der von Slawomir Elsner gewählte Titel „Coverboy“ bezieht sich auf Vorlagen altmeisterlicher Gemälde, denen die Kunstwissenschaften einen in der Regel unverbürgten Titel zugewiesen haben: „Portrait eines jungen Mannes“, „Portrait eines Jungen“ oder „Portrait eines Jünglings“.
Slawomir Elsner nimmt dies auf unter dem heute gebräuchlichen Zeitungs- oder Magazintitel einer Abbildung, dem Coverboy. Dass es sich bei den Altmeister Gemälden immer um Portraits handelt – verständlicher Weise von Personen gehobenen Standes – wird durch solch vage Titel wie zum Beispiel „Bildnis eines jungen Mannes“ für uns heutige Betrachter nicht sichtbar. Ebenso unsichtbarer für uns wird die eigentliche Malerei, sprich die malerische Qualität des Bildes. Sehen wir Heutigen doch gerade diese Gemälde oft im Spiegel unserer Erfahrung mit Fotografien von Personen: eben oft nur „Coverboys“.
Slawomir Elsner möchte diese verlorenen Ebenen des Malerischen mit Hilfe seiner zeichnerischen Technik wieder sichtbar machen. Er verzichtet dabei auf die Erkennbarkeit der abgebildeten Person und schärft mit spitzen und zarten Linien unseren Blick auf die Komposition des Bildes und die Schönheit der Farbigkeit. „Generell spielt Slawomir Elsner in der Werkgruppe der Zeichnungen mit dem Verschwinden, das heißt, die größtmögliche zeichnerische Präzision schafft die höchste formale Unschärfe.“* Diese bewusst in Unschärfe gebrachte Bildlichkeit seiner Zeichnungen lassen die Formen und Schemen der Personen erkennen, die uns nun genauer mit der Frage beschäftigen lässt: Wer ist die Person hinter dem Bild und was ist das für ein Bild?

Slawomir Elsner ist ein international beachteter Künstler. Er beruft sich in seinen Farbstiftzeichnungen oft auf Bilder der Kunstgeschichte, die er in Originalgröße in feinste Buntstiftschraffuren überführt. Mit scharf gesetzten und akkurat gezogenen Farbstiftlinien erzeugt er aus der Nähe betrachtet flirrende Farbballungen, deren Leichtigkeit zugleich leuchtende Tiefe besitzen. Erst aus der Distanz ermöglicht sich das Erkennen von konturlosen Formen und Figuren.
*Zitat: Michael Hering zu Slawomir Elsner im Katalog „Vermisst. Der Turm der blauen Pferde von Franz Marc“, Pinakothek der Moderne, München, S. 104