REINHARD STANGL / MICHAEL JASTRAM Unaufhörliche Heimkehr

Vernissage: Donnerstag, 05.03.2020, 19 Uhr
Es spricht Christoph Tannert – Kunstkritiker

Die Heimkehr ist meist eine Rückkehr ins Vertraute und Bekannte, ein Rückzug in einen Freiraum, in dem man sich wenigen neuen Reizen ausgesetzt fühlt und deshalb das mitgebrachte Neue umso kreativer verarbeiten kann. Das Weggehen und das Heimkehren wiederholen sich im besten Fall zyklisch wie das Atmen. Die Fremde das Einatmen, die Heimkehr das Ausatmen.

Die beiden Berliner Künstler Michael Jastram und Reinhard Stangl kennen sich aus mit dem Weggehen und mit dem Heimkehren. Beide Künstler zogen in den 1980er Jahren von einem Stadtteil Berlins in einen anderen – von Ostberlin nach Westberlin. Obwohl sie in ihrer Stadt blieben, kehrten sie doch einem Staat und einem ganzen System den Rücken und fanden eine neue Heimat in einem anderen. Beide Künstler reisten unabhängig voneinander viel. Z.B. nach Italien, Amerika, Brasilien, Chile, Georgien und Dänemark. Immer kehrten sie mit neuen Eindrücken und Ideen zurück nach Berlin, wo sie auch heute noch leben und arbeiten, in ganz unterschiedlichen Medien.
Reinhard Stangl malt seit der Kindheit. Seine Bilder von der Paris-Bar in Berlin sind obligatorisch für sein Werk. Ein Ort, der wie ein Heim für Stangl geworden ist. Und so taucht diese Bar mit seinem markanten schachbrett-gemusterten Fußboden immer wieder in seinen Bildern auf. Die Atmosphäre in diesen Bildern ändert sich von Werk zu Werk. Mal ist die Hitzigkeit des Nachtlebens spürbar, mal die Kühle der Fremdheit. Auch Stangls Landschaftsbilder und Pflanzenbilder spielen mit diesen extremen Gegensätzen, mit der vertrauten Wärme, dem gefährlichen Feuer und der kühlen Unbestimmtheit.
Michael Jastram studierte an der Kunsthochschule Berlin und ist seit 1984 freischaffender Bildhauer. Michael Jastrams Bronzen sind oft auf schweren Rädern gebaut, mit der Hütte im Gepäck. Hier sind das Weggehen und das Heimkehren poetisch vereint. Die menschliche Figur, das Pferd, das Heim und die Räder erscheinen als beispielhafte Protagonisten der ewigen Sehnsucht nach der Freiheit des Weggehens und der Möglichkeit des Heimkehrens in seinem Werk.