Fußnoten zum Aufbruch

08. Mai bis 13. Juli 2013
Als das nach dem Zusammenbruch real existierender sozialistischer Staaten feuilletonistisch herbei geschriebene Ende der Geschichte doch nicht eintrat, bedeutete das keineswegs, das nun neue Utopien oder Visionen in der Gesellschaft allzu deutlich aufgeschienen wären. Nach längerer gefühlter Stagnation häufen sich jedoch gegenwärtig zumindest Anzeichen, dass es wieder etwas geben könnte, dass aufgebrochen werden kann und soll, dass es gemeinsame Aufbrüche geben könnte.
Beginnt nun also eine Zeit des Aufbruchs? Wenn ja, versuchen wir, dem eine Richtung zu geben, warten wir einfach nur auf selbigen, ohne wissen zu wollen wohin es gehen könnte oder versuchen wir gar, Veränderungen so gut wie möglich zu vermeiden?
Finden und wie finden neue Vorstellungen ihren Weg in die Gesellschaft, wo sie künftig tatsächlich gelebt werden könnten. Und wo und wer sind die Diejenigen, die Umgestaltungen vorantragen? Wie wäre sicher zu stellen, dass solche Erneuerungen auch menschenfreundlich bleiben?
Künstlerische Auseinandersetzungen mit diesen Aspekten möchten wir in zwei Ausstellungen und in Veranstaltungen exemplarisch vorstellen und somit Diskussionen zu Perspektiven und Inhalten, zu Formen und Problemen individueller wie gesellschaftlicher Handlungsaufbrüche unterstützen.
Die zeitgenössische Kunst wird gegenwärtig wieder als sehr politisch wahrgenommen. Das wird kontrovers aufgenommen und diskutiert. Doch Kunst wie auch Kunstsystem sind eben auch Teil unserer Verhältnisse, daher sollten unterschiedliche Wahrnehmungen und handfeste Interessengegensätze nicht verwundern.
Auf welche Arten und Formen von Aufbrüchen konzentrieren wir unsere Aktivitäten?
Die für das Projekt angestrebten Spannungen sollen zwischen den Änderungen des Lebensweges des Einzelnen und dem von Gesellschaften, zwischen konstruktiven und destruktiven Aufbrüchen bestehen. Die Kunstwerke, welche dieses Feld reflektieren könnten, werden zu einem guten Teil für dieses Vorhaben entstehen.
Atlas und Wegmarkierung für die Ausstellung soll das Gemälde Einschiffung nach Kythera von Jean- Antoine Watteau aus dem Jahre 1718 (Öl/ Leinwand, 130x192cm, Schloss Charlottenburg, Berlin) und sollen Szenen daraus sein.
Es stellt für die Ausstellung eine Landkarte des inneren wie auch äußeren Aufbruchs dar, es reißt die Spannung zwischen Individuum und Gruppe, es deutet unterschiedliche Ziele gemeinsam scheinenden Aufbruchs an.

Zbynek Baladrán, Prag (CZ) | Aram Bartholl, Berlin | Franca Bartholomäi, Halle | Till Ansgar Baumhauer, Dresden | Ondrej Brody & Kristofer Paetau, Prag, Helsinki (CZ, FIN) | Gregory Buchert, Lyon (F) | Maria Bussmann, Wien (AT) | Chto Delat, St. Petersburg, Moskau (RU) | Ayelen Coccoz, Buenos Aires (AR) | Ulrike Gärtner, Dresden | Göran Gnaudschun, Potsdam | Arti Grabowski, Krakow (PL) | Igor Grubic, Zagreb (HR) | Eberhard Havekost, Berlin | Martin Kippenberger/ Walter Dahn, Köln | Friedl Kubelka, Wien (AT) | Heimo Lattner, Berlin | Eduardo Molinari, Buenos Aires (AR) | Pavel Mrkus, Rumburk (CZ) | Stefan Nestler, Dresden | Laura Pawela, Warschau (PL) | The Trailblazers (Mircea Nicolae, Stefan Tiron and Larisa Sitar), Bukarest (RO) | Ute Richter, Leipzig | Jürgen Schön, Dresden | Société Réaliste, Paris (F) | Jirí Suruvka, Ostrava (CZ) | Sus Zwick & Muda Mathis (CH)