EBERHARD HAVEKOST – Retrospektive 1

8. November 2013 – 11. Januar 2014

Der Mond ist das perfekte Objekt: unbesiedelt und tot, kalt, still, dicht und fern. Die Erde ist das perfekte Subjekt: erfüllt von Leben in unterschiedlicher Gestalt, aktiv, speziell mit menschlichen Lebensformen, die sich eifrig um eine Erforschung, Erkundung und Erkenntnis der materiellen Welt bemühen.

Mit seinen Arbeiten macht Havekost auf Lücken und Brüche in der aufklärerischen Tradition wissenschaftlicher Untersuchung und Beobachtung aufmerksam. Entfernungen und Unterschiede zwischen uns und der Welt öffnen und schließen sich in seiner Malerei.

In der Fotografie hat man immer wieder eine entmaterialisierende Kraft gesehen, die ferne oder gar falsche Bilderwelten erschafft. In diesem Sinne las die Kritik Havekosts Werk als eine Art Essay über die Nichtverfügbarkeit der Realität heute. Jedoch ist sein Schaffen (…) komplexer. Die Gemälde der letzten Jahre bieten eine Reihe von Anregungen zur Natur der Dingwelt und zu unserem Verhältnis ihr gegenüber, die außergewöhnlich sind in ihrer Differenziertheit und in der physischen statt rein diskursiven Natur ebendieser Differenziertheit.

Eine enorme Stärke von Havekosts Arbeitsprozess ist, dass er multipliziert statt organisiert, um die stets wechselnden Affinitäten zwischen Dingen und Bildern, Erfahrung und Malerei aufzuzeigen. Es gibt dort gewissermaßen ein Ineinandergreifen von Dingen, die wir intuitiv als verwandt empfinden, auch wenn sie nur verschiedentlich zusammentreffen, jenseits der üblichen, festgeschriebenen Sichtweisen.

Vielleicht ist dies eine Möglichkeit, in der Welt zu sein, ohne ausschließlich den menschlichen Blickwinkel einzunehmen. Diese Gemälde erlauben Objekten (einschließlich Bildern und Gemälden) so etwas wie ein volles Dasein als bestimmte Dinge, anstatt sie einfach gegenüberzustellen oder zu reduzieren.

Textauszug Katy Siegel “Und der Mond kam näher”, Katalog „Titel“ Eberhard Havekost, 2013